Jan Sledz
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Im dritten Bild sieht man eine neurotische Zwangshandlung
Präsentationsansicht der Diplomausstellung
Präsentationsansicht der Diplomausstellung

Dokumentation der Diplomarbeit
vier Videoloops 16:9, 20,58 min., Maße variabel, 2005

In vier Bildern werden vier Loops gezeigt, die simultan starten und dieselbe Laufzeit haben. Die Bilder sind inhaltlich und kompositorisch so angelegt, dass jedes einzelne von ihnen als Erzählung funktioniert, gleichzeitig aber auch ein narrativer Gesamtzusammenhang entsteht. Zu jedem Bild läuft eine Tonspur, die den akustischen Kontext der Bilder wiedergibt.

Das erste Bild zeigt den Blick aus der Wohnung des Künstlers. Zu sehen sind im Anschnitt zwei weitere Wohnhochhäuser. Nach einer Weile schwebt rückwärts ein Hubschrauber ins Bild, der sich wendet, in die Wohnung hineinblickt und dann abdreht.

Das zweite Bild zeigt eine prototypische Eigenheimsiedlung, die durch einen Schutzwall von der lärmenden Bundesstraße abgegrenzt wird. Erst nachdem der Hubschrauber im ersten Bild abgedreht hat, sieht man einen Fallschirmspringer in die Siedlung springen und in ihr landen.

Das dritte Bild ist das zentrale Bild der Arbeit. Es zeigt einen Mann im mittleren Alter, der ein Zelt über ein Auto der gehobenen Mittelklasse aufbaut. Um die Handlung zu betonen, wurde sie in einen weitgehend neutralen Raum verlegt. Lediglich der Wall im Hintergrund und die durchs Bild streifenden Autos und Menschen verorten die Szene in der Nachbarschaft der Reihenhäuser. Das Auto als Eigenheim auf Rädern, als private Kapsel ist an sich Zelle und Abgrenzungsinstrument genug für den Besitzer. Das Zelt als zusätzliche Hülle macht es zur Tautologie und zur Matrjoschka für ihn.

Das Schlussbild zeigt den Blick in eine besiedelte Ebene von einem leicht erhöhten Punkt aus. Man sieht Straßen, Autos, Felder, Siedlungsgebiete sowie am linken Rand ein Kernkraftwerk, welches das gesamte Bild bestimmt. Es bildet die optische Klammer für die drei vorangegangenen Bilder. Stadt, Vorstadt, Siedlungen und Autos leben vom Kraftwerk und sind gleichzeitig von ihm bedroht.

Während der Zuschauer im ersten Bild die Ich-Perspektive einnimmt, werden die drei anderen Bilder von einem auktorialen Betrachter vermittelt. In der Darstellung der Siedlung ist der Betrachter in sicherer Entfernung vom Geschehen. Im dritten Bild zoomt die Kamera mit dem Auto ein Detail aus der Siedlung heraus und isoliert es auf einem weitgehend neutralen Hintergrund. Die Sicht von außen wird im Schlussbild wieder aufgenommen und ist dort am deutlichsten.

Durch die Ereignisse gleich am Anfang der ersten beiden Bilder werden die Settings aufgeladen. Alle vier Loops sind gleich lang, um einen einheitlichen narrativen Rahmen für die Bilder auch in zeitlicher Hinsicht zu organisieren.

Die vier Bilder werden nebeneinander gezeigt. Damit wird dem Betrachter die Möglichkeit gegeben, von der Arbeit wegzutreten oder jede Darstellung einzeln anzusehen. Jedes Bild soll für sich allein funktionieren, aus diesem Grund ist auch ein bestimmter Abstand zwischen ihnen vorgesehen.

Bei der Diplompräsentation der Arbeit wurden die vier Loops auf Flachbildschirmen gezeigt. Damit sollte den Bildern auch in einem hellen Raum ausreichende Präsenz verliehen werden.

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